Des Vögleins Lied

Dieses Gedicht wurde im Herbst 1946 von der Frau des ersten Pächters des Grabneralmhauses geschrieben. Lilly Kronberger verfasste eine Reihe von Gedichten über Ihr Leben auf der Alm. Durch einen Freund gelangten wir zu einigen Ihrer handschriftlichen Aufzeichnungen.

Heut saß ich ganz für mich allein

im warmen hellen Sonnenschein
und sah wohl auf das Tal hernieder

wo grau der Nebel wogte auf und nieder.

Und wie ich sitz und wie ich schau

hinab in dieses düstre Grau

da hör ich leise einen Ton

ich heb den Kopf und sehe schon. 

 

Ein süßes Vöglein auf dem Baum

so klein man sah es kaum

das singt und zwitschert laut und froh

als wollt es sagen, machs ebenso! 

 

Sieh mich doch an ich bin so klein

und freu mich auch am Sonnenschein

und du? Schaust hinab ins Grau

und ober dir ist doch der Himmel blau.

 

Es lacht der Sonnenschein vom Himmel klar und rein

und rings die Luft ist voller Duft

alles ist glücklich, alles ist froh

machs ebenso!!!

 

Als des Vögleins Lied gesungen

da hat es lang in mir noch fortgeklungen

und seine Lehr trag ich im Herzen

zum Balsam wohl für alle Schmerzen. 

 

Ist auch das Leben manchmal Grau

dann freudig auf zum Himmel schau

und denk: Es wird bestimmt noch alles gut

fehlts dir nur nicht am rechten Mut.

 

(Lilly Kronberger, Herbst 1964, auf der Grabneralm)

zur Übersicht